Die Geschichte des Templerordens

Der erste Kreuzzug...

Drei Brüder des TemplerordnesWir schreiben das Jahr 1095. Das christliche Abendland befindet sich im Chaos. Die Macht der Kirche wird immer weiter von sich rivalisierenden Adligen zurückgedrängt. Kaum ein Landstrich ist sicher vor Raubrittern, die verarmten Familien oder nachgeborenen und damit oft mittellosen Sprössen entstammen. Das gesamte feudale Gesellschaftssystem droht zugunsten unkontrollierter Kleinkriege in sich zusammenzubrechen.
Die Kirche, der jegliche Autorität nach und nach zu entgleiten beginnt, befindet sich unter Zugzwang. Ein militärisches Hilfegesuch des byzantinischen Basileus’ Alexios Komnenos, welches an Rom gerichtet ist, bringt Papst Urban II plötzlich auf eine Idee.
In der Synode von Clermont hält er am 27. November 1095 eine mitreißende Rede, in der er zu Tränen rührend von den Gräueltaten der Muslime im Heiligen Land berichtet und die gesamte Christenheit zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems aufruft. Er verspricht ewiges Seelenheil für alle Teilnehmer und stellt gleichzeitig große Reichtümer in Aussicht. Die Rede verfehlt ihre Wirkung nicht...

Zu hunderten nahmen Barone, Ritter, Bauern und Handwerker die kleinen Stoffkreuze entgegen, die ausgegeben wurden und gelobten das Heilige Land aus dem Griff der Ungläubigen zu befreien. Vor allem die Armen und Ärmsten ergriff eine Inbrunst, die dazu führte, dass eine völlig unorganisierte Horde von Bauern, Tagelöhnern und Gesetzlosen sich zusammenrottete, um dem Aufruf seiner Heiligkeit zu folgen.

Plündernd und mordend zogen sie durch die Landen, und erreichten Byzanz. Der Basileus, sichtlich irritiert von diesem „Heer“, das so gar nicht dem entsprach was er auf sein Ersuchen aus Rom erwartet hätte, ließ sie über den Bosporus übersetzen, wo sie binnen kurzer Zeit von einer Streitmacht der Seldschuken zerschlagen wurden.
Der Europäische Adel indes ließ sich mehr Zeit bei der Vorbereitung. Aus dem ganzen Abendland strömten Ritter und Soldaten zusammen, bis das Heer auf eine Größe von ca. 50.000 Mann angewachsen war. Diese gewaltige Streitmacht erreichte den Bosporus und wurde schnell auf die östliche Seite verschifft, wo es sich nach einigen siegreichen Schlachten gegen die Rum-Seldschuken gen Antiochia in Bewegung setzte. Zwischenzeitlich trennte sich das Heer nach Unstimmigkeiten der Anführer, und Balduin von Boulogne marschierte mit seinem Heer nach Edessa, welches er eroberte und den ersten Kreuzfahrerstaat gründete.
1097 erreichte dagegen das Hauptheer der Kreuzfahrer das schwer befestigte Antiochia, welches sie nach einjähriger Belagerung eroberten und ein Blutbad unter der Bevölkerung anrichteten.

Kurz darauf wurden sie nun ihrerseits von einem gewaltigen muslimischen Entsatzheer belagert. Angeblich fand während dieser Belagerung ein junger Geistlicher die heilige Lanze des Longinus, von der Bohemund von Tarent angeblich in einer Vision erfahren haben wollte. Von diesem heiligen Relikt beflügelt und von Unstimmigkeiten unter den muslimischen Belagerern begünstigt, griffen die Christen das Belagerungsheer an und konnten einen entscheidenden Sieg erringen. Der Weg nach Jerusalem war nun frei.

Die Belagerung Jerusalems

(Belagerung Jerusalems, engl. Buchmalerei um 1350)

Das Heer, das nun unter der Führung von Raimund von Toulouse aufbrach, erreichte Jerusalem zu Beginn des Jahres 1099, und man begann die Stadt nach einem erfolglosen Ansturm auf die starken Mauern zu belagern. Nachdem sich das Kreuzfahrerheer, nun bedächtiger geworden, starke Belagerungsmaschinen baute, gelang es am15.Juli eine Bresche in die Mauern zu schlagen und die Stadt zu stürmen. Das darauf folgende Gemetzel, das die Kreuzfahrer unter der Zivilbevölkerung Jerusalems anrichteten, sollte das Bild der Muslime von den "Fränkischen Barbaren" wie sie sie nannten, noch lange prägen.

Die Geburt der armen Soldaten Christi

Das Ziel des Kreuzzuges war nun erreicht. Das Heilige Land befand sich in der Hand der Christen, und viele der Fränkischen Ritter, die ihr Gelübde nun als erfüllt sahen, begannen in ihre Heimat zurückzureisen und nur etwa ein Viertel der Adligen und Soldaten verblieb in dem neu erschlossenen Herrschaftsgebiet. Gottfried von Bouillon, unter dessen Führung die Stadt erobert wurde, wurde Regent Jerusalems unter dem Titel „Verteidiger des Heiligen Grabes“. Unter seiner Führung wurde noch ein starkes Heer der ägyptischen Fatimiden vernichtend geschlagen, doch schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt verstarb er. Sein Bruder Balduin von Boulogne hingegen erklärte Jerusalem zum Königreich und ließ sich zum König desselben küren. Das grausame Hinschlachten der Zivilbevölkerung Jerusalems sollte sich nun jedoch rächen. Balduin herrschte über eine entvölkerte Stadt, die mehr einem Friedhof denn einer Pilgermetropole glich. Er versuchte Handwerker, Bauern und Kaufleute aus dem Abendland mit zahlreichen Vergünstigungen, wie Steuererleichterungen und ähnlichem in sein Reich zu locken, doch scheiterten diese Ambitionen anfänglich vor allem daran, dass hunderte von marodierenden Räuberbanden die Straßen für Pilger und andere nahezu unpassierbar machten. Gerade die Pilger aber waren es, die letztlich die Lebensader Jerusalems ausmachten. Durch sie florierten Handwerk und Handel dadurch auch die Steuereinnahmen.

Die wenigen noch im heiligen Land verbliebenen Truppen, die dem König noch zur Verfügung standen, wurden allesamt zur Verteidigung der stets von Muslimen bedrängten Grenzen benötigt, sodass er keinerlei Möglichkeit hatte, der Plage der Räuberbanden Herr zu werden, die immer mehr Reisende von seinem Königreich fern hielten, ohne seine bedrohten Grenzen zu entblößen. Der König befand sich damit in einem schwierigen Dilemma, doch sollte sich ihm bald eine Möglichkeit offenbaren, diesem abzuhelfen. Irgendwann zwischen 1119 und 1120 sollen neun Ritter vor den König getreten sein und ihm ein Angebot gemacht haben, das Geschichte schreiben sollte.

Zu den Rittern gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach Hugo de Payens und Gottfried von Saint Omer, beide kampferprobte Ritter im Dienste von Adligen, die noch im Heiligen Land verblieben waren. Ihr Anerbieten war gleichermaßen unerhört wie einzigartig, denn es hatte zum Gegenstand, dass sie die Mönchsgelübde ablegen wollten, um als geistliche Krieger Christi, die Pilgerrouten und Handelsstraßen vor Räubern und Briganten zu säubern und zu überwachen. Als Gegenleistung baten sie den König lediglich, dass er ihnen den alten Tempels Salomons der mittlerweile zu einer Moschee umgebaut war, als Hauptquartier zur Verfügung stellen möge.

König Balduin II. übergibt den Tempel Salomons

(König Balduin II. übergibt den Tempel Salomons an Hugo de Payens und Gottfried von Saint Omer)

Der König, sichtlich angetan von diesem Angebot, das die Lösung seiner Probleme in greifbare Nähe rücken ließ, machte seinen Einfluss beim Klerus geltend, um diesen für diese Zeit geradezu revolutionären Plan in die Wege leiten zu können. Das große Areal, dessen Stallungen allein unter König Salomon angeblich 10.000 Pferde beherbergt haben soll, wurde emsig zu einem befestigten Hauptquartier ausgebaut. Die Al-Aqsa Moschee, wurde Teil dieser Operationsbasis und den Bedürfnissen des Ritterordens entsprechen umgebaut. Es mutet geradezu verblüffend an, wie der Vorschlag des Hugo de Payens zur Schaffung des Ordens in diesen Zeiten auf allgemeine Zustimmung, ja geradezu Begeisterung stieß. Dass sie dem König gefiel, war ja noch nachvollziehbar, aber wie stand es mit dem Rest der Christenheit? Mönche und Ritter waren schließlich zwei streng unterschiedene Kasten, war es den Mönchen doch durch die Bibel streng verboten, Blut zu vergießen, und nun sollten diese Männer Ritter und Mönch zugleich verkörpern.

Allerdings schien dieser schon fast unerhörte Gedanke der Kirche nicht ganz so abwegig, wie eigentlich zu vermuten gewesen wäre. Ging es doch schließlich um die Zukunft des Heiligen Landes, das sich nun erstmals in den Händen der Christenheit befand. Da war man offenbar gerne zu ursprünglich unvereinbaren Kompromissen bereit.

Es ist übrigens auch nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Muslime selbst das Vorbild oder zumindest eine Anregung für diese Symbiose von Kriegern und Klerus lieferten. Es gab im islamischen Raum nämlich Vereinigungen, die vor der Ordensgründung bereits sehr starke Ähnlichkeiten zu den Ritterorden aufwiesen. Besonders hervorstechend sind dabei die so genannten Futûwa (singular: Fatâ, arabisch für der rechtschaffen handelnde Mann). Sie entstammten der islamischen Aristokratie und bezeichneten sich als die die Erben Alis, des vierten Kalifen des Islam und Schwiegersohns des Propheten Mohammed, der zugleich auch vor allem von den Shiiten als wichtigster Prophet gesehen wird (im Gegensatz zu den Sunniten, die Ali zwar als Propheten anerkennen, Mohammed aber als den wichtigsten von Gott gesandten Propheten sehen). Auch diese Futûwa-Gemeinschaften widmeten ihren Alltag sowohl der religiösen Askese nach sufistischem Vorbild als auch dem Kampf für den Glauben und dem hochdisziplinierten Training, als geschlossener Heereskörper. Sie lebten für gewöhnlich als geschlossene Gesellschaften in so genannten ribats, die isolierte Stützpunkte an strategisch wichtigen Positionen waren, was später exakt dem Profil, der von den Ordensrittern gehaltenen Kreuzritterfestungen entsprach. Auch unterhielten sie oft Garnisonen in wichtigen Städten, wo sie in der Politik bedeutsame Rollen spielten. Diese und andere Ähnlichkeiten zu den Ritterorden sind wohl kaum von der Hand zu weisen.
Es würde vermutlich zu weit greifen in den Templern und ihnen nachfolgenden Ritterorden eine Nachahmung dieser Gemeinschaften sehen zu wollen, doch sind gewisse Parallelen unverkennbar.

Die Kirche, repräsentiert durch den Patriarchen von Jerusalem, unterstützte das Unterfangen, woraufhin die neun Ritter ihre drei Ordensgelübde vor dem Patriarchen ablegten.
Fortan sollte ihr Leben unter dem Primat der Armut, Keuschheit und des Gehorsams stehen.
Nur der Papst und seine Legaten sollten dem Orden übergeordnet sein, und vor niemanden sonst sollte sich je ein Tempelritter rechtfertigen oder gar unterordnen müssen.
Der Kirche war nun ein scharfes Schwert geschmiedet worden, die pauperes commilitones christi templique salomonici hierosalemitanis die Armen Ritter Christi und des Tempels von Salomon.

Nach der Gründung des Ordens wurde es allerdings zunächst einige Jahre recht still um seinen Fortgang. Für einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren entzogen sich die Tätigkeiten des Ordens dem Blick der Öffentlichkeit. Erst 1127 reiste Hugo von Payens wieder nach Europa, um neue Mitglieder und weitere Unterstützung für den Orden anzuwerben. Kurz zuvor ist der einflussreiche Graf Hugo de Champagne dem neuen Orden beigetreten. Jener Hugo wiederum war ein enger Freund von Bernhard de Clairvaux, einem ausgesprochen populären Geistlichen, der sich alsbald auch für den neuen Orden hellauf begeistert zeigte und in reißenden Reden für den Templerorden wie auch für die Führung eines neuen Kreuzzuges warb. Ab 1127 erfreute sich der Orden dadurch zahlreicher Schenkungen an Land, Geldmitteln und Ausrüstung. Im Jahre 1129 wurden auf dem Konzil von Troyes die Ordensregeln, welche von Bernhard de Clairvaux mitverfasst worden sein sollen, offiziell "ratifiziert".
1139 wurde der Orden von Papst Innozenz II in seiner Bulle "omne datum optimum" erneut offiziell bestätigt. Zudem wurde auch die Unantastbarkeit der Templer gegenüber jeglicher weltlicher Gewalt amtlich statuiert. Auch wurden ihm im Rahmen dessen zahlreiche Privilegien zugestanden, von denen weltliche Herrscher nur träumen konnten. So war der Orden von der Steuer befreit, unterstand in jeglicher Hinsicht ausschließlich dem Papst, und durfte als einzige christliche Institution Geld gegen Zinsen verleihen (später erhielten auch die Johanniter dieses Privileg). Vor allem letzteres sollte von dem Orden mit solcher Effizienz durchgeführt werden, dass darin gewissermaßen die ersten Grundzüge des abendländischen Bankwesens erkennbar waren und den Templern, begünstigt durch den hohen Handelsverkehr zum Heiligen Land, rapide Einfluss und Reichtum bescherte.

betende Ritter

Organisation des Ordens im Rahmen des Kriegswesen des Mittelalters

Mit dem Tempelritterorden war etwas völlig neues erschaffen worden und zwar nicht nur allein deshalb, weil Mönche und Ritter nun in einer Institution personifiziert wurden.
Die drei Gelübde, die im Zentrum des Lebens jedes Ordensritters standen und die durch die Ordensregel lediglich konkretisiert wurden, waren nicht ohne Grund gewählt worden.
Das Gebot der Armut, sollte die Ritter des Tempels grundlegend von ihren weltlichen Pendants unterscheiden. Ein jeder solle stets nur der großen Sache, der Kirche und der Gerechtigkeit dienen und gar nicht erst auf den Gedanken kommen, weltliche Güter anhäufen zu wollen. Ein jeder sollte gleich behandelt werden, ein jeder den gleichen Besitz, die gleiche Ausrüstung, die gleiche Unterkunft, die gleiche Verpflegung haben. Jeglicher Prunk war untersagt. Vor allem modische Erscheinungen wie die in einer Periode beliebten Schnabelschuhe waren strengstens untersagt. Auch typisch adliger Zeitvertreib, wie die Jagd, das Falknerwesen oder die Teilnahme an Turnieren waren den Rittern verboten.
Dergleichen spiegelt sich auch in dem zweiten Gelübde wieder, dem Gebot des Gehorsams.
Was auf den ersten Blick im Rahmen einer funktionierenden militärischen Organisation als selbstverständlich erscheint, war für die Zeit des Hochmittelalters in keiner Weise üblich.
Bezeichnenderweise ähnelten die Heere der Antike in Punkto Organisation und Disziplin bei weitem mehr denen der Neuzeit als es die des Mittelalters vermochten.
Im Vergleich mit einer römischen Kohorte oder einer hellenischen Phalanx müssen die Heere des Mittelalters wie ungeordnete Haufen gewirkt haben. Die Organisation der Heere war weniger nach dem Primat der Effizienz als vielmehr nach der Hierarchie des Lehnswesens ausgeprägt.
Die Ritter waren ihrem Stand entsprechend für gewöhnlich in breiter Front als erste Angriffswelle vorgesehen, die aber nicht in geordneten Formationen anstürmten, da dies einen militärischen Drill der Armee als ganzes Erfordert hätte, den es in der damaligen Zeit schlichtweg nicht gab. Ein mittelalterliches Heer wurde im Kriegsfall zusammengerufen, und es fanden sich dann auch bei den Rittern, zwar hervorragend ausgebildete Krieger zusammen, die aber nie im Verband oder gar als Teil einer Armee gedrillt worden sind. Im Grunde handelte es sich eher um einen losen Zusammenschluss hoch qualifizierter Einzelkämpfer. Auch die Befehlshierarchie, war mehr oder minder chaotisch. Ein jeder Ritter gehorchte nur seinem eigenen Lehnsherren und ein jeder Fußknecht nur seinem eigenen Ritter…eine ineinander übergreifende Befehlskette existierte dabei kaum, was wiederum taktisches Manövrieren des ganzen Heeres nahezu unmöglich machte. Man stellte die Heere einander gegenüber auf und stürmte je nach Ausgangsposition aufeinander zu oder versuchte eine Defensivstellung zu erstürmen. Wie effizient und schlagkräftig hingegen disziplinierte Heere mit professionellen Berufskämpfern gegen solch lose Heereszusammenschlüsse wirken konnten, sollte sich vor allem im Hundertjährigen Krieg zeigen, wo es den Engländern mit ihren gut ausgebildeten Fußsoldaten und Langbogenschützen immer wieder gelang, zahlenmäßig weit überlegene französische Ritterheere zu schlagen. Doch waren es die Templer, die diesen zuerst einschlugen, und das sehr viel umfassender als später die Engländer. Durch das Gehorsamsgelübde sollte eben das geschaffen werden, woran es im abendländischen Mittelalter fehlte: Ein geordnetes diszipliniertes Heer mit klaren Befehlshierarchien, geübt in Manövern auch mit größeren Verbänden und darauf ausgerichteten Taktiken.

Jegliche Verweigerung des Gehorsams wurde strengstens bestraft und hatte unter anderem den Ausschluss aus dem Orden oder schlimmeres zur Folge. Die Ritter übten gemeinsam Manöver mit den Sergeanten und übrigen Heeresteilen, was in einem normalen Feudalheer schon allein aufgrund des ständischen Klassenbewusstseins undenkbar gewesen wäre.
Das Bewusstsein der Templer, einer einzigartigen Elite anzugehören, entbehrte also durchaus nicht eines wahren Kerns. Allerdings half die Tatsache, dass sie nun als geschlossene disziplinierte Einheit zu agieren verstanden nicht darüber hinweg, dass das für die weltlichen Heeresteile, mit denen sie in der Regel gemeinsam kämpften, keineswegs auch galt. Kaum einer der kommandierenden Adligen wollte sich von den Templern, die nicht selten mit Neid und Argwohn beäugt wurden, etwas sagen lassen, und auch die Anführer der Templer, waren nicht gegen menschliche Fehler gefeit, wie sich beispielsweise am Verhalten des Großmeisters Gerard de Rideforts bei dem Desaster von Hattin zeigen sollte.

Das dritte Gelübde, das der Keuschheit, hatte seine Wurzeln vermutlich in der geistlichen Prägung dieses Ordens, der ja eine Symbiose von Rittertum und Mönchstum darstellen sollte.
Allerdings berücksichtigte dieses Gelübde auch durchaus weltliche Belange.
So sollte dadurch auch gewährleistet werden, dass der Orden stets frei von irgendwelchen dynastischen Bestrebungen blieb. Die Treue der Ritter sollte allein dem Orden und damit der Kirche gelten. Keiner sollte jemals vor die Wahl gestellt werden, ob er nun den Belangen des Ordens oder der Familie den Vorzug gewähren würde. (George Orwell greift diesen Gedanken in seinem Meisterwerk 1984 übrigens auch auf, dort allerdings zum Wohle einer Militärdiktatur). Auch sollte sichergestellt werden, dass der Orden stets nur von den fähigsten geleitet würde und nicht etwa ein Vater seinen Sohn beim Erreichen bestimmter hoher Ämter begünstigte. Natürlich entwickelten sich, ähnlich wie auch in der Kirche selbst, ganz eigene politische Strömungen, Neigungen und Präferenzen, die nicht immer nur das Wohl des Ordens zum Gegenstand hatten. Doch zumindest konnte einem Teil der genannten Probleme durch das Keuschheitsgelübde Einhalt geboten werden. Auch der Hintergrund, der dem Keuschheitsgelübde gewöhnlicher Geistlicher zugrunde lag, spielte natürlich eine nicht unbedeutende Rolle, jener nämlich, dem gemäß die Liebe des Aspiranten allein Gott gewidmet sein sollte, zumal es um das Frauenbild im Mittelalter ja auch nicht eben zum besten bestellt war.
Die von den drei Gelübden getragene Gemeinschaft der Templer machte in der Zeit ihrer Entstehung großen Eindruck vor allem auf die Geistlichkeit. Bernhard von Clairvaux soll seinen Eindruck von dem Orden wie folgt geschildert haben:

"Bei ihnen fehlt weder im Hause noch im Felde gute Zucht und der Gehorsam wird nicht gering geschätzt. Sie gehen und kommen nach dem Wink des Meisters, sie legen die Kleidung an, die er ihnen gibt und begehren von keinem anderen weder Kleidung noch Nahrung. In beidem wird Überfluss vermieden, nur für die Notdurft wird gesorgt. Sie leben miteinander fröhlich und mäßig, ohne Weiber und Kinder, und damit nichts an der evangelischen Vollkommenheit mangeln möge, ohne Eigentum in einem Hause eines Sinnes bemüht, im Bande des Friedens die Eintracht zu erhalten, so dass in allen gleichsam ein Herz und eine Seele zu wohnen scheint. Zu keiner Zeit sitzen sie müßig oder schwärmen sie neugierig umher; wenn sie vom Streite wider die Ungläubigen ruhen, was selten geschieht, so bessern sie, um nicht ihr Brot umsonst zu essen, ihre schadhaften oder abgenutzten Kleider und Waffen aus. Das Schach- und Brettspiel verabscheuen sie, der Jagd sind sie abhold und nicht minder der sonst beliebten Vogelbeize. Sie hassen die Gaukler, Bänkelsänger, allen üppigen Gesang und alle Schauspieler als Eitelkeit und Torheiten der Welt. Sie gehen nicht stürmisch und unbesonnen in die Schlacht, sondern mit Bedächtigkeit und Vorsicht, friedlich als die wahren Kinder Israel. Sobald aber der Kampf begonnen, dann dringen sie unverzagt in die Feinde, sie als Schafe achtend, und sie kennen keine Furcht, ob ihrer allzuwenige sind, vertrauend auf die Hilfe des Herrn Zebaoth. Darum sind oft von einem von ihnen tausend und von zweien zehntausend in die Flucht getrieben worden. Also sind sie in seltsamer Verbindung zugleich sanftmütiger als Lämmer und grimmiger als Löwen, so dass man zweifeln kann, ob man sie Ritter oder Mönche nennen soll. Doch ihnen gebühren beide Namen; denn ihnen ist die Sanftmut der Mönche und die Tapferkeit der Ritter zuteil geworden."

Man mag die vom Enthusiasmus geprägten Übertreibungen wohl im Geiste der Zeit betrachten aber nichtsdestoweniger stellten diese Ritter die Verkörperung ja geradezu den Inbegriff der Ideale des Rittertums dar, und doch waren sie zunächst stets auf Bescheidenheit und Demut bedacht, denn nicht ohne Grund lautete ihr Leitspruch:
"Non nobis domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!"
was übersetzt soviel bedeutet wie:
"Nicht uns oh Herr, nicht uns, sondern Deinen Namen gib Ehre!".

"Der Reichtum des Tempels" oder eine "Erläuterung des Ursprungs des Bankwesens"

Nicht nur militärisch und ethisch strebte der Orden an die Spitze der Gesellschaft, auch wirtschaftlich vermochte er innerhalb kürzester Zeit atemberaubendes zu leisten.
Das Konzept des Bankwesens, das durch die Privilegien des Ordens ermöglicht wurde, war gleichermaßen raffiniert wie effizient und verhalf ihm zu nahezu grenzenlosem Reichtum.
Nach der Eroberung des Heiligen Landes und der - nicht zuletzt dank der Templer - wieder sicheren Handels- und Pilgerrouten florierte der Handel zwischen dem Abendland und der Terra Sancta prächtig. Allerdings war es für die Händler immer noch sehr riskant, größere Mengen Goldes zu transportieren, denn auf dieser langen Strecke konnte immer etwas passieren... Räuber zu Land, Räuber zur See, Stürme, die nicht wenige Schiffe auf den Meeresgrund beförderten und so weiter...

Die Templer boten den Händlern eine Alternative, denn sie boten ihnen an, beispielsweise in Frankreich Gold entgegenzunehmen, dessen Empfang zu quittieren und dem Händler dann im Heiligen Land sagen wir mal in Antiochia gegen Vorlage dieser Quittung das Gold abzüglich einer Gebühr auszuhändigen. Allerdings dauerte eine solche Reise ja recht lang, je nach Reisemittel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In dieser Zeit wurde mit dem verwahrten Gold gewirtschaftet, das heißt es wurde gegen Zinsen verliehen. Dieses verliehene Gold wiederum musste in vielen Fällen auch am Zielort gar nicht ausgezahlt werden, denn die Garantie des Tempels für die Verfügbarkeit des entsprechenden Goldbetrages, verbürgt in der Quittung, genügte vielen auch nach der Ankunft weiterhin als sicheres Zahlungsmittel. Man konnte eine Quittung zum Beispiel über 1000 Goldstücke erhalten, ebenso aber auch zehn Quittungen à 100 Goldstücke und damit dann bequem seine Handelsinvestitionen tätigen und sich den entsprechenden Differenzbetrag dann von seinem Handelspartner auszahlen lassen. Diese Art des Geldtransfers hatte für die Händler den Vorteil des gefahrlosen Geldverkehrs und für den Tempel den Vorteil, dass sie die verwahrten Summen problemlos mehrfach verleihen konnten, da das Gold ja nun für immer größere Zeiträume länger "uneingelöst" in den Truhen lag. 1000 Goldstücke konnten damit beispielsweise zehnmal verliehen werden, sodass die darauf anfallenden Zinsen sich an einem Kapital von 10.000 Goldstücken bemessen ließen.

Faszinierend mutet in dieser Hinsicht insbesondere an, dass diese Quittungen dann in etwa die gleiche Funktion wie Bargeld annahmen. Der "goldlose" Zahlungsverkehr erfreute sich dazu auch immer größerer Beliebtheit und breitete sich auch außerhalb der entfernten Handelsstrecken immer weiter aus. Auch auf Reisen innerhalb des Abendlandes drohten den Händlern Gefahren... zumal sich ein solcher Bürgschaftsbrief viel leichter transportieren ließ und auch der Transport einiger Quittungen bei weitem weniger Aufmerksamkeit von lichtscheuem Gesindel oder auch Steuereintreibern auf sich zog. Die Quittungen zu stehlen hätte auch wenig Sinn gemacht, denn welcher Räuber hätte schon den Mut aufgebracht, mit einem geraubten Bürgschaftsdokument in eine Templerniederlassung zu spazieren und die Auszahlung zu fordern? Zumal, ja bekannt werden würde, dass der Betreffende überfallen oder ermordet sei. Auch damit in der genannten Bargeldfunktion zu bezahlen war riskant, da die Quittungen ja immer den Namen des Empfängers aufwiesen, was die Rückverfolgung zum Täter durchaus erleichtern mochte. Damit waren diese Quittungen zu einem vergleichsweise unkomplizierten und bequemen Zahlungsmittel geworden.
Das Papiergeld war in gewisser Hinsicht geboren.
Der Wert wurde nun erstmalig auf Wertträgern abstrahiert, statt im Gold oder Silber selbst verkörpert zu sein. Und je mehr Menschen die Vorteile des goldlosen Zahlungsverkehrs nutzten, umso mehr Gold lagerte in den Schatzkammern des Tempels, das wiederum gegen hohe Zinsen verliehen werden konnte. Ein wacher Geist mag darin so einige Parallelen zum heutigen Bankwesen erblicken...
Es dürfte also kaum verwunderlich sein, dass der Tempel auf diese Weise schnell zu unerhörtem Reichtum kam, mit dem bekanntermaßen auch ein gehöriges Potential an Macht einherging. Mit zunehmendem Reichtum und Einfluss wurden daher immer weitere Niederlassungen mit der kombinierten Funktion von Bankhäusern und Kasernen in ganz Europa gegründet, die wiederum ihrerseits das Vermögen des Tempels wachsen und gedeihen ließen. Die nachfolgende Illustration, die die zahlreichen Niederlassungen des Ordens um 1300 zeigt, dürfte einigermaßen verdeutlichen, wie effizient dieses System ausgebaut und genutzt worden sein muss (Der Sitz des Großmeisters befand sich zu diesem Zeitpunkt übrigens auf Zypern). Die Bereiche Italien, Nord-Spanien (also Kastilien und Portugal) und Griechenland waren übrigens von ähnlichen "Bankhäusern" der Johanniter übersäht, so dass ein nahezu lückenloses Banksystem entstand.

Templerkommenden um 1300

In den späteren Jahren sollten sich noch ganze Reiche und viele Könige bei den Templern verschuldet haben. Die politische Macht, die damit in ihren Händen lag, muss wohl nicht erst groß erörtert werden, ebenso wenig wie die Missgunst und der Neid, die damit einhergingen...
Zusammenfassend betrachtet ist das, was die Templer durch dieses System erschufen, eigentlich genau das, was auch heute noch die Grundidee einer jeden national, international oder gar global agierenden Bank ausmacht. Vor allem wirft dies ein Bild auf das Potential und den Reichtum eben dieser Banken, denn heute funktioniert dieses System weitaus perfider und ausgeklügelter... [für weitergehend interessierte darf hier auf das Internetvideo "Zeitgeist-Addendum" verwiesen werden, wo dies ausgezeichnet erläutert wird, oder auf Stefan Erdmanns Buch "Banken, Brot und Bomben".]

Innere Organisation des Templerordens

Die militärische Schlagkraft des Ordens ging ja, wie bereits erwähnt, aus dem absoluten Gehorsam hervor, welches jeder Bruder seinem Vorgesetzten entgegenzubringen hatte. Allerdings setzte dies auch klar definierte Befehlshierarchien voraus, die nach einem militärischen Rangsystem organisiert war, anders als bei den Feudalheeren, wo der Grad der edlen Geburt auch den Grad der Autorität verkörperte. Im Templerorden hingegen, wurden Ämter, Titel und Befehlsgewalt durch fortwährende Leistung erarbeitet. Nur wer Erfahrung hatte, sich bereits bewährt hat und konstant überdurchschnittliche Leistung erbrachte, durfte hoffen in der Befehlshierarchie aufzusteigen, was gar nicht so einfach war in einer Gemeinschaft deren Leistungspotential ohnehin weit über dem Durchschnitt lag. Von der Hierarchie im Heer einmal abgesehen mussten auch die zahlreichen Niederlassungen, Kommenden, Komtureien und Ordenshäuser mit einem komplexen Verwaltungsapparat versehen werden, der auch den Erfordernissen des bereits erörterten Bankwesens gerecht werden musste.
Grundsätzlich war die Hierarchie im Orden in gewisser Hinsicht am Ständewesen der Zeit orientiert. Ritter mussten von edler Geburt sein und waren als einzige berechtigt, den weißen Mantel zu tragen. Aus ihnen setzte sich auch das Großkonvent zusammen, das unter der Leitung des Großmeisters alle wichtigen Entscheidungen traf.
Unter den Rittern standen die Sergeanten (frz. sarjanz de mestier). Sie waren einerseits als Infanterie, leichte Kavallerie im Kampf eingesetzt, bildeten aber auch den Teil, der die niederen Arbeiten ausführte. Sergeanten waren also zum einen Soldaten zum anderen aber auch Handwerker, Bauern, Köche, Stallburschen, Träger, Seeleute und so weiter...
Sie trugen in den Anfängen braune Mäntel, später auch schwarze Mäntel mit rotem Kreuz.
Sie galten als Laienbrüder und mussten lediglich die Gelübde der Armut und des Gehorsams nicht dagegen das der Keuschheit leisten. Auch waren sie getrennt von den Rittern untergebracht.

Die Kaplane hingegen legten den Schwerpunkt ihres Daseins auf die rein geistliche Seite ihres Daseins als Templer, denn sie gingen der gewöhnlichen wie gottgefälligen Tätigkeit von Klerikern nach. Sie führten Gottesdienste, nahmen seelsorgerische Tätigkeiten wahr, und bereicherten den Orden zudem durch ihre jeweils spezifischen Fertigkeiten.
Dies mochte die Theologie, die Heilkunst, die Kenntnis von alten Schriften und Büchern, die Diplomatie, die Beherrschung von Fremdsprachen, die Mathematik, die Kryptographie, die Mystik, die Alchemie, die Astrologie, die Architektur, die Geologie, die Geographie und viele andere Bereiche umfassen. Ein ausgeklügeltes System der Erkenntniserlangung, das den organisierten Prozessen unserer Tage ähnelt, ist zwar den bislang erhältlichen Quellen nicht direkt zu entnehmen, doch spricht einiges dafür, dass zumindest ähnliches von den Templern geschaffen worden ist.
Immerhin würde damit die hocheffiziente Ordenspolitik erklärt werden können, die jeden dieser Aspekte kritisch und bedächtig zu würdigen schien. Es soll nicht der Eindruck vermittelt werden, die Templer hätten in jeglicher Hinsicht übermäßig weise und überlegen agiert, denn dort wo Menschen an den Entscheidungsrädchen sitzen, sind auch menschliche Fehler zu erwarten. Aber dennoch wies die allgemeine Organisation des Ordens und seine perfekt ineinander greifenden Mechanismen auf ein Wissen hin, dass sich eher an dem heutigen Erkenntnisstand zu orientieren schien und in der Geisteswelt des Mittelalters als absolut hervorstechender Anachronismus geradezu ins Auge springen muss.

Des Weiteren gab es noch diverse Söldner, von denen vor allem die so genannten Turkopolen im Heiligen Land eine wichtige Rolle spielten. Es handelte sich dabei meist um christliche Einheimische, deren Kampfstil dem der muslimischen Feinde angepasst war. Sie ritten schnelle Pferde, waren nur leicht gepanzert und beherrschten insbesondere die Kunst, mit dem Bogen im Reiten die Feinde fortwährend mit Pfeilen zu spicken; eine Taktik, der die schwer gepanzerten Ritter auf ihren gewaltigen aber behäbigen Schlachtrössern gegenüber den flinken muslimischen Reitern oft machtlos gegenüberstanden.

Die zahlreichen Besitzungen an Land waren in Kommenden oder Komtureien aufgeteilt, denen jeweils ein Komtur als regionaler Befehlshaber vorstand. Einzelne militärische Teileinheiten wurden von Kommandanten befehligt.
Den Komtureien bestimmter Herrschaftsgebiete standen nun wiederum entsprechende Ordensmeister vor, so z.B. der Ordensmeister von England, der Ordensmeister von Spanien etc. Das allgemeine Verwaltungszentrum wie auch die große Schatzkammer war für gewöhnlich in Paris.
Bestimmte Aufgabenbereiche waren ihrer Spezialität wegen entsprechende Ämter in leitender Funktion zugeteilt. Dem Großkomtur oblag die Aufsicht über den Ordensschatz und die Verteidigung. Der Großmarschall befehligte das Kriegswesen und die Versorgung mit Waffen, Söldnern, Kriegsschiffen und ähnlichem.
Der Großspitter organisierte die Verwaltung der Hospitäler, die ihrerseits von einem Firmariearzt geleitet wurden.
Der Großtrappier kümmerte sich um die Versorgung mit Kleidung, der Drapier stand der allgemeinen Verwaltung und Buchführung vor, wohingegen das Finanzwesen dem Tressler unterstand.
Über alldem schwebte die Autorität des Großmeisters, der seinen Sitz in Jerusalem innehatte, zumindest solange Jerusalem in christlicher Hand war.
Die Banner des Templerordens wandelten sich mit der Zeit. Hier werden jetzt einige Variationen aufgeführt.

Templer Flaggen

Neben diesen Hauptbannern, gab es noch das Kriegsbanner das so genannte Beauséant oder Beaucent.(Siehe Abbildung unten) Diese Flagge stellte im Orden ein nahezu heiliges Relikt dar. Die Position des Bannerträgers war daher mit höchsten Ehren verbunden. Niemals durfte das Beauséant niedersinken, und ein jeder Ritter und Soldat des Ordens kämpfte verbissen bis in den Tod, um dies zu verhindern.

Beauseant

(Das Beauséant, ursprünglich ohne Kreuz)

Die Aktivitäten im Heiligen Land

Trotz des gewaltigen Handels- und Finanzimperiums, das die Templer in ihrer Blütezeit erschufen, galt ihr Hauptaugenmerk doch stets dem Heiligen Land, und die militärische Prägung des Ordens blieb immer im Vordergrund. Die Ritter und Soldaten des Ordens nahmen an nahezu jeder größeren Schlacht der Kreuzzüge teil, doch waren sie trotz ihres gewaltigen Zulaufes, dessen sie sich nach und nach erfreuten, dennoch zu wenige um ein eigenständiges Heer zu bilden. Der europäische Adel unterstützte die Verteidigung des Heiligen Landes nur sporadisch, wenn es politisch opportun war beispielsweise oder sich gerade einmal wieder ein Herrscher als Kriegerkönig profilieren wollte. Und selbst von diesen größeren Kreuzzügen, kehrte ein Großteil der Heere für gewöhnlich nach Europa zurück, sofern sie nicht gänzlich aufgerieben wurden. Was den weltlichen Adligen, Rittern und Soldaten für die dauerhafte Verteidigung des Heiligen Landes fehlte, war daher insbesondere Beständigkeit. Diese wurde allein von den Ritterorden gewährt und den wenigen Adligen, die das Glück hatten Ländereien im Heiligen Land erworben zu haben. Die meisten Burgen, Festungen und Bollwerke, durch die die Präsenz der Christen in Palästina weitgehend gewährleistet werden konnte, wurden daher nach und nach den Ritterorden zur Verwaltung und zur Verteidigung übergeben. Die Templer, Johanniter und Deutschritter sahen sich dadurch gezwungen ihre Kräfte über das ganze Land zu verstreuen. Viele andere waren auch in den zahlreichen europäischen Niederlassungen beschäftigt. Zusätzlich mussten auch die verhältnismäßig großen Flotten der Ritterorden mit Mannschaften und Truppen versehen werden. Das Heer des Tempels, das wohl auf ca. 8.000 Mann geschätzt werden darf (Söldner, Kapläne, Verwalter, Handwerker etc. nicht mitgerechnet), von denen vermutlich um die 1.000 Ritter waren, konnte sich nie in seiner vollen Größe entfalten. Allein Jerusalem soll mit einer ständigen Garnison von 400 Rittern versehen worden sein. Ähnliches gilt auch für die übrigen Orden.
Doch trotz der verhältnismäßig kleinen Kontingente, die die Templer in den großen Schlachten zu stellen vermochten, sollte ihre Rolle nicht unterschätzt werden. Die weltlichen Ritter und Soldaten blickten ehrfürchtig zu ihnen auf. Sie galten als „das Schwert der Christenheit“. Ihr gesamter Alltag war lückenlos durchorganisiert mit Gebeten, Waffenübungen, Manövern und Kampfeinsatz. Ihre Nahrung war einfach aber nahrhaft, dem Alkohol wurde nur in Maßen zugesprochen und auf Ungehorsam erfolgte sogleich der Ordensausschluss. Jegliche Art von Müßiggang war gleichermaßen verpönt wie ausgeschlossen. Ein jeder kämpfte stets verbissen bis zum Tode in der Gewissheit, als Exekutive des Allmächtigen einen Sonderstatus im Himmel zu genießen. Schon allein deshalb waren die Tempelritter bereits für sich genommen eine Einheit von enormer Schlagkraft.
Der Ansturm einer Schwadron schwergepanzerter Ritter auf riesigen Schlachtrössern (die fast das doppelte auf die Waage brachten, wie Pferde, die man in heutigen Tagen kennt), birgt schon ein gewaltiges Vernichtungspotential in sich. Wenn diese Schwadron aber als Einheit funktioniert und geübt ist, in Formation anzugreifen, diszipliniert ist und absoluter Gehorsam den gesamten Heereskörper beherrscht, so kann man sich ausmalen, wie die Mythen um die ungeheure Kampfkraft der Templer zustande kamen.
Dazu kam dann noch der Faktor, dass ihr Mythos die Truppen, die an ihrer Seite kämpften gleichermaßen anspornte, ermutigte und die Moral des gesamten Heeres beträchtlich anhob.
Das optische Erscheinungsbild, das die Ritter in ihren einheitlich weißen Mänteln mit den blutroten Tatzenkreuzen geboten haben müssen, dürfte dazu auch so einiges beigesteuert haben.

Doch war die Teilnahme an den Kämpfen eigentlich nur der kleinere Teil der Aktivitäten des Ordens in Palästina. Wesentlich bedeutungstragender war vielmehr ihre politische Rolle, die sie dort dank ihres Rufes, ihres Einflusses und ihres Vermögens einnahmen.
Diese spielte sich auf einem weitgehend unsichtbaren Parkett ab, und das wenige, was an die Öffentlichkeit gelangte, wurde ihnen auch nicht selten zum Vorwurf gemacht. Die Templer waren im Heiligen Land etabliert. Ihre Diplomaten beherrschten das Arabische, kannten die Sitten und Gebräuche der muslimischen Gesellschaften und waren im Bilde über die politische und militärische Situation. Nicht dass das einzelne Großmeister davon abgehalten hätte, gravierende Torheiten zu begehen (siehe Hattin oder auch der sonderbare Angriff auf Askalon), aber dennoch waren die Templer zusammen mit den Johannitern und auch den Deutschrittern jene Kräfte, die noch am ehesten imstande waren mit Umsicht und politischem Feingefühl zu agieren. Dabei wendeten sie nicht selten die eine oder andere Katastrophe ab, die von törichten und bornierten "Neulingen aus Europa" geschaffen wurde.
So waren es die Templer und Johanniter, die den launischen Richard Löwenherz immer wieder zur Vernunft bringen mussten, wenn dieser wieder einmal versucht war, sein von Märschen und Kämpfen geschwächtes und dezimiertes Heer in das strategisch völlig nutzlose Jerusalem zu führen.
Zudem vermittelten die Ritterorden zwischen den zerstrittenen muslimischen Parteien einerseits und den gleichermaßen zerstrittenen christlichen Parteien andererseits. Die politische Lage in Palästina, war nämlich alles andere als überschaubar. Hier schlossen sich Franken mit Muslimen zusammen um gegen ein muslimisches Kalifat vorzugehen, dort besiegelten Muslime mit Franken einen Pakt gegen ein fränkisches Fürstentum.
All diese Zwistigkeiten entbehrten eines roten Fadens, da ihnen meistens nur kurzsichtige und selbstsüchtige Ambitionen der lokalen Herrscher zugrunde lagen. Allein die Ritterorden versuchten all diesen politischen Wirren eine Tendenz zugunsten der Christenheit zu verleihen, mit wechselhaftem Erfolg. Damit machten sich vor allem die Templer viele Feinde. Denn da sie ihre enorme Finanzkraft mit auf die Waagschalen warfen und versuchten mit ihrem Vermögen Einfluss zu erlangen, wo gutes und vernünftiges Zureden nicht genügte, hinderten sie viele lokale Herrscher an der Verwirklichung ihrer selbstsüchtigen Pläne.
Auch war es leider nicht so, das die Templer immer dem Primat der Vernunft folgten, und manches Mal auch im politischen Bereich Entscheidungen trafen, die sich im Ergebnis sehr nachteilig für die Christen im heiligen Land auswirkten. Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Assassinen, jener geheimnisvollen schiitischer Sekte, deren fanatische Meuchelmörder den gesamten Nahostbereich in Furcht und Schrecken versetzten. Beinahe jeder fränkische Fürst und jeder muslimische Emir zahlte ihnen Tribut. Anders die Templer, Johanniter und Deutschordensritter. Diese lehnten jeden Erpressungsversuch ab und bezogen stattdessen ihrerseits Schutzgelder von den Assassinen. Die Assassinen sahen in den Sunniten, die den Großteil der muslimischen Gesellschaft ausmachten, die größere Bedrohung für ihre Existenz und boten den Christen an, mit ihnen zu kooperieren, wenn nur die Tributsforderungen der Orden gegen sie eingestellt würden. König Amalrich von Jerusalem war von diesem Plan sichtlich angetan und empfing eine Delegation der Assassinen im Jahre 1173, der er aussichtsreiche Zugeständnisse machte. Die Templer jedoch wandten sich offen gegen den König und ermordeten diese Delegation als diese sich auf dem Rückweg nach Masyaf einer ihrer wichtigsten Festungen befand. Damit vereitelten sie eine einmalige Chance, auf schlagkräftige Bundesgenossen, die sich den Christen damals bot. Warum sie das taten ist ungewiss. Habgier und der Unwille auf die Tribute der Assassinen verzichten zu müssen, wird zwar oft gern als Grund angeführt, doch erscheint dies eher unwahrscheinlich. Schließlich war der König sogar bereit den Templern und den anderen Orden diesen entgangenen Gewinn aus eigener Tasche zu entrichten. Möglicherweise sahen die Templer in den Assassinen eine größere Gefahr als in den Sunniten, denn die Assassinen waren eine sagenumwobene Sekte, die sich auf altes und geheimes Wissen berief. Die Ismaeliten, wie sich diese Sekte auch nannte, erfreute sich bei den Muslimen zunehmender Beliebtheit und hätte womöglich ein unberechenbarer Machtfaktor werden können, doch sind das alles natürlich lediglich Spekulationen... wie so vieles in der Geschichte des Templerordens...
Es wäre allerdings falsch in den Templern eine nun reich gewordene und gierige Organisation von selbstsüchtigen Machtbesessenen zu sehen. Ihre Tapferkeit und ihre Hingabe für die heilige Sache der Kreuzzüge stand zu keinem Zeitpunkt in Zweifel. Von den 22 Großmeistern des Ordens fiel die Hälfte in der Schlacht. Das große Vermögen der Templer wurde weitgehends für militärische Obliegenheiten verwendet, da sie hohe Summen an die Führer der Kreuzzüge entrichteten, beinahe die gesamte Landesverteidigung verwalteten und finanzierten und in Europa versuchten mittels ihres Vermögens weitere Herrscher zur Unterstützung der Kreuzzüge zu gewinnen.
Sie spielten ihre Finanzkraft in einer Weise aus, die man schon beinahe mit den Tricks des Internationalen Währungsfonds unserer heutigen Tage vergleichen kann. Könige verschuldeten sich bei ihnen und die Templer nutzten diese Lage aus, um diese Könige dahingehend zu beeinflussen eine Politik zu führen, die ihrer Sache gewogen war. Es liegt auf der Hand, dass die Templer sich dadurch bei der Herrschaftselite alles andere als beliebt machten.
Allerdings schwebte über diesen im Grunde redlichen Ambitionen der Templer ein Schatten, der fast die gesamte Geschichte der Kreuzzüge durchzog und sie in vielen Fällen in der Erfüllung ihrer Hauptaufgabe einschränkte. Dieser Schatten war das oft in offener Feindschaft ausartende Konkurrieren mit den Johannitern. Der Patriarch von Jerusalem soll einmal mit folgenden Worten über die Zustände im Heiligen Land geklagt haben: "Und selbst in den bedrohtesten Städten, balgen und prügeln sich die Tempelritter mit den Johannitern, den Bettlern und Straßenkindern gleich, während die Deutschritter sich betrinken und die beiden Seiten anfeuern!"
Man kann nicht abstreiten, dass die Feindschaft der Johanniter mit den Templern, die Sache des Heiligen Landes arg geschwächt haben dürfte. Es wird gar behauptet, dass die eine Seite eine bestimmte Politik nur deshalb verfolgte, weil die andere Seite das Gegenteil bestrebte.
Die Feindschaft der Orden erscheint aufgrund ihrer ähnlichen Strukturierung auf den ersten Blick recht sonderbar. Beide waren nur dem Papst unterstellt und beide hatten durch die Ausnahmegenehmigung die Befugnisse, die zur Errichtung eines ausgeklügelten Bank- und Handelswesens nötig waren, ein enormes Vermögen angehäuft und kämpften mit aller Inbrunst für die Christenheit im Heiligen Land.
Doch steckt der Teufel oft im Detail. Die Johanniter waren der ältere Orden, der sich auf eine längere Tradition berufen konnte. Die Templer hingegen waren kaum gegründet schon mit allen Privilegien und Rechten ausgestattet, die den Johannitern erst nach und nach zugestanden wurden. Die Templer verstanden sich als die alleinige Elite der Christenheit und ihr Ruf war entsprechend, obwohl die Johanniter ihnen an Tapferkeit und Schlagkraft kaum nachstanden. Vor allem im karitativen Bereich, waren die Johanniter mit ihren zahlreichen Hospitälern den Templern sogar weit überlegen, da letztere ihr Hauptaugenmerk weitgehend auf den militärischen Sektor beschränkten.
Daher dürften die Johanniter sich trotz Erbringung gleicher Leistung und eines besser ausgebauten Sektors der Krankenpflege dennoch als Orden zweiter Klasse degradiert gefühlt haben und blickten verbittert auf Aussprüche wie: "Den haben die Templer nicht genommen, dann geht er halt zu den Johannitern."
Neid, Missgunst und Unvernunft prägten das Verhältnis dieser beiden Mächtigen Orden. An sich unbedeutende Streitigkeiten wurden oft unnötig ausgeweitet, weil es stets darauf hinauslief, dass der eine Orden die eine und der andere Orden die andere Seite unterstützte und aufstachelte. Den Höhepunkt der Feindschaft findet man 1242 in Akkon wo die Templer das Ordenshaus der Johanniter belagerten, und duzende der Hospitalritter in Hunger, Krankheit und Kampf einen unnötigen wie unrühmlichen Tod fanden. Die sie belagernden Templer gestatteten ihnen nicht einmal ihre Schwerverletzten aus der Belagerung zu entlassen oder die Toten anständig zu bestatten. Später ereignete sich ähnliches, wo die Templer belagert wurden und fast die gesamte Templergarnison Akkons von den Johannitern ausgelöscht wurde. Es wurde zwar auf Drängen des Papstes später ein Friedensvertrag unterzeichnet, doch änderte dieser nichts an dem unversöhnlichen Hass mit dem sich beide Seiten fortan gegenüberstanden, und beharrlich darauf bestanden im Recht gewesen zu sein.
Auch mit dem Deutschen Orden war der Templerorden verfeindet auch wenn die Wurzeln dieses Streites anderer Natur waren. Als Friedrich II 1228 -ungeachtet seines Bannes und des Verbotes des Papstes- zum Fünften Kreuzzug aufbrach, wurde sein Heer einige Male von papsttreuen Parteigängern angegriffen unter denen sich auch die Templer befanden. Die Deutschritter hingegen kämpften auf Seiten des Kaisers, womit es auch zum Bruch zwischen diesen beiden Orden kam.
Allerdings muss man anerkennen, dass alle drei Orden zumindest in den Augenblicken allerhöchster Not, ihre Feindschaften überwanden und Seite an Seite miteinander kämpften, wie das beispielsweise bei der vergeblichen Verteidigung Akkons 1291 der Fall war.

Die Belagerung Akkons

(Die Belagerung Akkons 1291)

Der Niedergang und das Ende des Ordens

Die Auflösung des Templerordens am 22.3.1312 durch den Papst Clemens V. und die öffentliche Hinrichtung des Großmeisters Jaques de Molay und vieler seiner Getreuen am 18.3.1314 war das gleichermaßen unrühmliche wie auch unerwartete Ende dieses einst so glanzvollen Ritterordens. Noch heute gibt es zahlreiche Meinungsdifferenzen, wie eine derart große und mächtige Organisation solch ein rasches und trauriges Ende nehmen konnte. Unbestritten ist dabei die führende Rolle des französischen Königs Philips des Schönen, der nach den Reichtümern des Ordens gegiert haben soll. Doch das Bestreben eines Königs allein kann nicht ausschlaggebend gewesen sein, einen derart mächtigen Orden zu Fall zu bringen.
Das Unheil, das über die Templer hineinbrach kroch schleichend heran, und es war eine Vielzahl von Faktoren, die zu diesem Ergebnis führte.
In der öffentlichen Meinung über die Templer, war bereits in ihrer Blütezeit ein gewisser Bruch zu verzeichnen, der sich stetig mit den Misserfolgen der Kreuzzüge verstärkte.
Die abgeschlossene Gesellschaft des Ordens, sein stetig ansteigender Wohlstand bei gleichzeitigen Niederlagen christlicher Heere im Morgenland, gaben üblen Gerüchten reichhaltige Nahrung. Auch der Umstand, dass es den Tempelrittern verboten war, sich Kontakten mit Außenstehenden hinzugeben, sie stets in tadelloser Kleidung und Ausrüstung aufzutreten hatten und absolute Disziplin wahren mussten, schaffte einen Eindruck von Arroganz und Überheblichkeit. Durch das völlig abgeschottete Leben hinter den Ordensmauern, waren auch die abstrusesten Spekulationen an der Tagesordnung, von denen einige ihnen später im Prozess auch zum Verhängnis werden sollten.
Der unerhörte Reichtum des Tempels nährte die Vorwürfe, die Templer würden die Sache der Kreuzzüge zugunsten von Wohlstand und Macht vernachlässigen, was die Leute durch die ständige Feindschaft mit den Johannitern auch bestätigt sahen.
Die Könige und Fürsten hingegen hatten ihre ganz eigenen Gründe, den Templern mit Missgunst und Neid gegenüberzustehen. Viele waren bei den Templerbanken hoch verschuldet, und der Orden nutzte solche Abhängigkeitsverhältnisse geschickt aus, um seinen Machtbereich derart auszubauen, dass vor allem in Frankreich bereits von einem „Staat im Staate“ gesprochen werden konnte. Der daraus erwachsene Einfluss löste zunehmend Unbehagen der Herrscher aus, zumal sie auch keinerlei Hoheitsgewalt gegenüber dem Orden innehatten. Angesichts der schier unbegrenzten Geldmittel des Ordens, seiner hoch disziplinierten und schlagkräftigen Truppen , seiner Unangreifbarkeit, seinen Privilegien, die teilweise nicht einmal die Herrscher selbst hatten und der immer zahlreicheren Niederlassungen die der Orden in ganz Europa gründete, war dieses Unbehagen auch nicht ganz unbegründet. Immerhin waren die Templer im Kriegsfalle eine Organisation, die auf allen Herrschaftsgebieten ihre Niederlassungen hatten. Wer konnte schon sicher wissen, ob sie nicht doch für die eine oder andere Partei höhere Ambitionen hegten. Der Verdacht der Spionage war allgegenwärtig, wie auch der Verdacht, dass die Truppen des Tempels im eigenen Lande plötzlich zugunsten einer feindlichen Nation mobil machen könnten.

Denn ungeachtet der Tatsache, dass die Christen im Heiligen Land immer weiter zurückgedrängt wurden, wuchs die Macht der Templer im Abendland immer weiter an.
Auch der immer größer werdende Landbesitz der Templer musste vor allem dem französischen König ein Dorn im Auge gewesen sein, mussten die dort ansässigen Bauern, Handwerker und Händler schließlich weder ihm noch der Kirche Abgaben leisten.
Auch im Heiligen Land selbst bildeten die Templer eine starke Opposition zum König von Jerusalem und setzten fast immer ihre eigene Politik durch manchmal auch zum Nachteil des Königreiches.

Jaques de Molay

(Großmeister Jaques de Molay)

Folglich waren die Herrscher vor allem der französische König nicht unbedingt bemüht der üblen Nachrede und dem schlechten Ruf, den die Templer immer mehr genossen, Einhalt zu gebieten. Das Gegenteil dürfte vermutlich eher der Fall gewesen sein. Mit jeder Festung, die die Christen im Heiligen Land verloren wuchsen die Schuldzuweisungen gegen die Templer. Der Papst sah sich sogar mehrmals gezwungen Edikte auszusprechen, die Beschimpfungen und Angriffe auf Tempelritter unterbinden sollten. Selbst vor dem Vorwurf des Verrates schreckte man nicht zurück. Diese Vorwürfe dürften ihren Ursprung in der Bündnispolitik haben, die die Templer in Palästina unterhielten, und sie kamen meist von Kreuzfahrern die mit der politischen Lage dort nicht vertraut waren. Als geradezu skandalös wurde beispielsweise der Vertrag zwischen Sultan Baibars und dem Templergroßmeister Guillaume de Beaujeu erachtet, in welchem sich letzterer dazu verpflichtete, jeden ankommenden Kreuzzug zwei Monate vorher beim Sultan zu melden. In diesen Vorwürfen wird allerdings gerne übersehen, dass das Überleben von Akkon, der damals letzten christlichen Bastion in Palästina, auf Gedeih und Verderb der Gnade des Sultans ausgeliefert war. Baibars verfügte gegenüber den Christen über ein vielfaches an hoch motivierten und kampferprobten Truppen, die erst kurz zuvor die Mongolen vernichtend geschlagen hatten, über ausreichend Geldmittel und über die Fähigkeit beides auch geschickt einzusetzen. Es wäre ihm jederzeit ein leichtes gewesen, die Christen ganz aus Palästina zu vertreiben, und Diplomatie und Zugeständnisse waren die einzige Möglichkeit das Überleben der Christen im Heiligen Land zu gewährleisten. Hierbei zeigt sich, dass selbst offenbar begründete Vorwürfe mit Vorsicht genossen werden sollten.
Nicht ganz unbegründet ist wohl allerdings der Vorwurf der Schuld am Verlust Jerusalems, da das Desaster bei Hattin weitgehend auf die Initiative des Großmeisters Gerard de Rideford zurückzuführen ist.
Im Weiteren ist auch der Umstand zu berücksichtigen, dass die innere Stärke und der Zusammenhalt des Ordens selbst gegen Ende des 13. Jahrhunderts nachzulassen begannen. Das Heilige Land war für die Christenheit verloren. Alle Städte und Festungen waren wieder unter muslimischen Banner und die ursprüngliche Berufung bzw. Daseinsberechtigung des Ordens damit passé. Dies dürfte auch auf die Templer selbst sehr entmutigend gewirkt haben, auch wenn der Großmeister de Molay alles daran setzte, die Christenheit zu neuerlichen Kreuzzügen zu bewegen. Die Kirche wusste diese Ambitionen zwar einerseits zu schätzen, dürfte sich aber im Klaren darüber gewesen sein, dass außer den Ritterorden kaum einer in Europa mehr sonderlich an der Kreuzzugsidee interessiert war und weitere Anstrengungen in diese Richtung daher vergebliche Liebesmüh waren. Zu viele Ritter waren schon für diese Idee gefallen, viel zuviel hatte man schon verloren an Gold Männern und Material. Darüber hinaus waren Kirche und Adel nun nicht mehr die einzigen tonangebenden Faktoren im Abendland, da die reichen Städte und Kaufleute zunehmend im Aufstreben begriffen waren. Deren Einfluss wurde immer größer, vor allem, da Adel und Kirche in immer mehr in Abhängigkeit zum kommerziellen Sektor gerieten. Und der Handel hatte nun so gar kein Interesse an weiteren Kriegszügen gen Osten, da dies stets mit erheblichen Geschäftseinbußen einherging. Es entbehrt vermutlich nicht einer gewissen Ironie, dass es eben der kommerzielle Finanzsektor war, der ursprünglich von den Templern mitbegründet wurde und es nun jene Kraft war die das Kreuzzugsideal weitgehend an den Rand drängte.
Das Ansehen der Templer war gegen Ende des 13. Jahrhunderts also stark herabgemindert. Den Herrschern waren sie ein Dorn im Auge und dem einfachen Volk erschienen sie unheimlich, nutzlos und anmaßend. Die Ausgangslage für den französischen König darf daher als optimal bezeichnet werden. Doch bedarf es für die meisten großen Ereignisse nicht nur der Möglichkeit und des Nutzens sondern für gewöhnlich auch eines Anlasses oder gar einer Notwendigkeit.
Die Lage Philipps des Schönen dürfte womöglich einigen Aufschluss darüber bieten, was ihn zu seinem Verhalten bewogen hat.
Er befand sich in einer bedenklichen Situation. Frankreich verfügte noch nicht über eine zentrale Königsgewalt und setzte sich aus diversen Herzogtümern zusammen, von denen nicht wenige gegen das Königshaus agierten. Dazu trat die Tatsache, dass ein Großteil Frankreichs (bzw. des Gebiets auf das der französische König Anspruch erhob) unter englischer Herrschaft bzw. mit England verbündet war, wie beispielsweise der umfangreiche Landstrich Aquitanien. Philipp war gewillt seinen Machtbereich stetig zu erweitern, wozu ihm letztlich jedes Mittel recht war. Zahlreiche Edelleute wurden unter dem Vorwurf des Verrates enteignet und hingerichtet. Die Macht der Kirche wurde systematisch zurückgedrängt. Im Vordergrund stand allerdings das Ziel, ganz Frankreich unter die Herrschaft der Krone zu bringen. Dies erforderte jedoch ein starkes Heer und eine starke Flotte. Für beides fehlte es am Geld, und die zahlreichen Expansionsunternehmungen Philipps leerten seine Schatzkammern schon bedenklich. Er erhöhte die Steuern und Abgaben, belegte die kirchlichen Bistümer mit immer höheren Gebühren und enteignete und verbannte die meisten in Frankreich lebenden Juden, um seine Kassen wieder aufzufüllen. Doch waren dies alles nur sehr kurzfristige Lösungen, da mit denn Juden auch ihr hohes Steueraufkommen fortfiel und das Volk ohnehin schon bis aufs Blut ausgequetscht war, sodass sich der König nach weiteren Einnahmequellen umsehen musste.

Philipp der Schöne

(Philipp der Schöne)

Vor allem das reiche Flandern war ein Objekt der besonderen Begierde des französischen Königs. Es war der Knotenpunkt des mitteleuropäischen Handels und eine der Lebensadern der englischen Industrie. Kurzerhand bezichtigte Philipp 1302 den Grafen Guido von Flandern des Hochverrates, verhaftete ihn und annektierte Flandern, dass er von französischen Beamten verwalten lies. Der Aufstand ließ nicht lange auf sich warten. In Brügge formierte sich eine Volksrebellion gegen die französischen Besatzer und alle Beamten und Soldaten wurden erschlagen. Philipp reagierte, indem er den Grafen Robert d’Artois an der Spitze der Elite der französischen Ritterschaft nach Flandern entsandte, um den Aufstand rasch niederzuschlagen. Es kam bei Courtrai zur Schlacht, zur so genannten "Sporenschlacht".
Flandern vermochte der geballten Macht Frankreichs nur ein eilig aufgestelltes Heer aus notdürftig bewaffneten Bürgern zu Fuß entgegenzustellen, und siegessicher griffen die Franzosen an. Was dann folgte war ein Desaster. In dem sumpfigen Gelände konnten die französischen Ritter ihre Kampfkraft nicht entfalten, und die Flamen kämpften verbissen mit dem Mut der Verzweiflung, bis die Armee Frankreichs völlig vernichtend geschlagen wurde.
700 Ritter verloren ihr Leben ebenso wie Artois und die beiden französischen Marschälle. Die siegreichen Flamen hängten in ihren Kirchen die Sporen der Ritter als Trophäen auf, um Philipp zu verhöhnen.

Schlacht_von_Courtrai

(Schlacht von Courtrai)

Philipp sah sich nun an die Wand gedrängt. Sein Heer war zerschlagen, seine Kassen waren leer und sein Prestige erheblich herabgemindert.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass er aus dieser Notlage heraus gemeinsam mit seinem wichtigstem Ratgeber Guillaume de Nogaret nun sein Augenmerk auf die Templer gerichtet hat. Alle anderen Möglichkeiten sich zu bereichern waren voll ausgeschöpft und Philipp begann seinen Schlag gegen den Orden vorzubereiten. Überall in seinem Reich mehrten sich üble Gerüchte verschiedenster Natur, die sich alle gegen den Templerorden richteten (und sicherlich nicht einer gewissen Urheberschaft entbehrten). Innenpolitisch hätte Philip angesichts der übrigen Ausgangspunkte nun freie Bahn gehabt, doch noch standen die Templer unter dem Schutz des Papstes Bonifazius VIII. Philipp versuchte diesen unter Druck zu setzen, doch erwies sich der Heilige Vater als erstaunlich hartnäckig und weigerte sich, seine schützende Hand von dem Orden zu nehmen.
Philipp konnte es sich angesichts seiner fatalen Finanzlage nicht leisten, eine Exkommunizierung zu riskieren. Am 7. 9.1303 wurde der Papst in seiner Residenz in Agnani von Attentätern angegriffen, tätlich misshandelt und verstarb wohl noch am nächsten Tag. Philipps Beteiligung an diesem Attentat kann zwar nicht nachgewiesen werden, erscheint aber in Anbetracht des Umstandes, dass er der größte Nutznießer war, als sehr wahrscheinlich.
Ein gleichermaßen schnelles wie unerwartetes Ende fand auch der Nachfolger Bonifaz’ dessen Amtszeit kaum einige Monate andauerte. Angeblich wurde er kurz nach Audienz, die er Philipps Minister Nogaret gewährte, vergiftet aufgefunden. Der darauf folgende Papst war Clemens V. Bereits seine Wahl, die vor allem von allen französischen Kardinälen unterstützt wurde, deutet auf eine Beeinflussung Philipps hin. Clemens war vor seiner Wahl Erzbischof von Bordeaux und dem König treu ergeben. In ihm hoffte der König nun endlich das Instrument zur Beseitigung des letzten Hindernisses zu den Schatztruhen des Ordens in der Hand zu haben. Treffenderweise tauchte auf einmal ein gewisser Esquieu de Floyrac auf, der beim König von Frankreich vorsprach und schwere Anschuldigungen gegen den Orden erhob.
Er berichtete von Sodomie, schwarzen Messen, blasphemischen Handlungen, wie dem Anspucken eines Kreuzes, der Verehrung eines eigenartigen Hauptes (oft als Baphomet bezeichnet) und vielem mehr. Dass dieser "Zeuge" nur rein zufällig zu eben jenem Zeitpunkt auftrat, an dem Philipp einen Anlass zu seinem Angriff auf den Orden brauchte, dürfte wohl kaum anzunehmen sein, da das Zufallsprinzip schon weit über Gebühr belastet war.
Am 13.10.1307 trat Philipp in Aktion. Zuvor waren geheime versiegelte Befehle bei allen lokalen Kommandeuren in ganz Frankreich eingegangen, die erst in der Nacht zum 13.10. gleichzeitig geöffnet werden sollten. Der Coup glückte. In den frühen Morgenstunden jenes verhängnisvollen Freitags dem 13. erstürmten überall in ganz Frankreich königliche Soldaten und Beamte sämtliche Niederlassungen des Ordens in Frankreich und verhafteten nahezu alle dort vorgefundene Angehörige des Ordens. Auch Jaques de Molay, der erst kurz zuvor in Paris eintraf wurde festgenommen. Keiner der Templer leistete Gegenwehr, was angesichts dessen, das da noch kommen sollte, heute meist mit Fassungslosigkeit wahrgenommen wird.
Es folgte ein langjähriger Prozess, in dessen Verlauf, die Templer nach der damals üblichen Manier zur "Wahrheitsfindung" gnadenlos gefoltert wurden. Dies hatte natürlich zur Folge, dass die Ritter so ziemlich alles standen, was man ihnen vorwarf. Dem Papst, dem eigentlich die Oberhoheit über das Verfahren oblag, der aber von Philipp in den Hintergrund gedrängt wurde, wurden zahlreiche Geständnisse schlimmster Blasphemien überbracht, die zudem auch miteinander übereinstimmten. Welch Wunder, bedenkt man, dass es damals üblich war, dem Delinquenten während der Folter die Vorwürfe vorzulesen, die er dann mit "ja" oder "nein" bestätigen oder abstreiten konnte(stritt er ab, wurde die Tortur solange verlängert bis er gestand). So konnten dann dem "Schirmherrn des Gerichts" Geständnisse von völliger Deckungsgleichheit überbracht werden. "Sie alle bekannten sich der selben abscheulichen Verbrechen für schuldig" hieß es. Allerdings widerrief ein Großteil der Templer die Geständnisse nach der Folter wieder, was zu einer Wiederholung oder nach dem damaligen Rechtsverständnis, "Fortsetzung" der Folter führte (Die Folter durfte nämlich nach dem römischen Rezeptionsrecht nur einmal zur Anwendung kommen, doch umgingen die Inquisitoren diese Regelung dadurch, dass lediglich von einer "Fortsetzung" derselben gesprochen wurde). Als Jaques de Molay schließlich im völlig geschwächten und malträtierten Zustand vor den Papst gezerrt wurde, auf dass er sich schuldig bekennen möge, entblößte er seinen schwer misshandelten Körper vor seiner Heiligkeit und soll gesagt haben: "Schuldig bekenne ich mich wohl, doch einzig und allein der Schwäche, dieser grausamen Tortur nicht länger standgehalten zu haben, die mich zwang, schändliche Lügen über meinen Orden zu berichten!"
Dies könnte der Moment gewesen sein, in dem der Papst den Inquisitionsrichtern und Beamten Philipps scharf verbat, weiter über die Templer zu richten, da dies allein seiner Autorität unterliegen würde.
Doch der erhoffte Wendepunkt des Prozesses blieb aus. Philipp manipulierte geschickt die öffentliche Meinung und setzte die Reichsstände ein, um Druck auf den Papst auszuüben. Dem Heiligen Vater wurde sogar damit gedroht, dass er selbst der Duldung der Ketzerei angeklagt würde, wenn eine Verurteilung der Templer ausbleiben würde. Dazu ließ er 72 gebrochene Gefangene vor den Papst vorführen, wo sie ihre gleich lautenden Geständnisse wiederholten, während er den Druck auf den Papst weiter verstärkte. Dieser gab in immer mehr Punkten nach, bis das Verfahren wieder ganz in der Regie Philipps stand. Geständige Delinquenten wurden mit Auferlegung kirchlicher Bußsanktionen entlassen, Ungeständige auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder in den Kerkern belassen. Auch konnte Philipp dafür sorgen, dass der Druck auch die Herrscher anderer Nationen erreichte, mit den Templern auf dieselbe Weise zu verfahren wie in Frankreich. Aragon und England folgten dem, Portugal hingegen weigerte sich und wies den Templern lediglich einen neuen Namen zu. Dort nannten sie sich fortan Ritter Christi und blieben unbehelligt.

Verbrennung von Templern

(Verbrennung von Templern, frz. Buchmalerei um 1400)

Allein über das Schicksal des Ordens selbst war noch zu bestimmen. Für Philipp war die Sache klar, da ja fast alle Mitglieder des Ordens entweder geständig oder tot waren. Zu seiner Überraschung stellte sich das päpstliche Konzil jedoch weitgehend schützend vor den Orden und war geneigt, ihn freizusprechen. Philipp versuchte seinen Druck zu verstärken, konnte jedoch lediglich einen Kompromiss herbeiführen. Der Orden wurde zwar der Anklagepunkte nicht für schuldig gesprochen, wurde aber dennoch aufgelöst. Damit umging der Papst geschickt den Zwängen des Königs, denn ein aufgelöster Orden konnte nicht mehr verurteilt werden. Als Begründung für die Auflösung führte der Heilige Vater auf, dass das Ansehen des Ordens dauerhaft irreparabel geschädigt sei und er, selbst wenn sich seine Unschuld erweisen würde, stets mit diesem Makel behaftet sein würde. Die Güter des Ordens wurden - zur großen Enttäuschung Philipps - dem Johanniterorden zugesprochen.
Jaques de Molay wurde am 18.3.1314 öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da er bis zuletzt auf der Wahrheit zu beharren versuchte. Doch noch während er das Schafott bestieg, soll er einen Fluch über den Papst und den König ausgesprochen haben, dass er sie noch im selben Jahr, vor dem Gericht des Allmächtigen wieder sehen würde, und tatsächlich starben beide noch innerhalb eines Jahres.
Allerdings fanden die französischen Beamten bei der Verhaftung der Templer keine Spur von dem immensen Schatz, den die Templer im Laufe der Jahre angehäuft hätten.
Gerüchten zufolge hätten drei Wagen in der Nacht zum 13.10. also in der Nacht vor der Verhaftung den Tempel von Paris verlassen. Kurz darauf, so sagt man, hätten 18 Schiffe des Ordens den Hafen von La Rochelle verlassen. Ihr Verbleib ist bis heute nicht geklärt und ist immer noch Gegenstand der wildesten Spekulationen.
Man geht sogar soweit, anzunehmen, dass die Templer sich zunächst in Schottland den bereits bestehenden Freimaurerlogen anschlossen hätten und einige ihrer entkommenen Mitglieder, die Überfahrt nach Amerika vornahmen. Christoph Columbus (port. Christobal Colon) soll einer der ihren gewesen sein, und man kann nicht abstreiten, dass seine drei Schiffe stets mit dem blutroten Tatzenkreuz des Tempels auf ihren Segeln dargestellt werden. Man könnte dem noch diverse weitere Spekulationen, Phantastereien und ähnliches hinzufügen, doch auch für sich genommen, war der Orden der Tempelritter eine der interessantesten, innovativsten aber auch widersprüchlichsten Erscheinungen des Mittelalters, dessen Ruhm und dessen Glanz wie auch seine Faszination bis in die heutige Zeit ungebrochen bleibt.

Der Schatz der Templer?

(c) by Freye Templer Septentrio